Krankheitsstadien der Borreliose

Die vier Stadien der Borreliose-Infektion

Der Verlauf der Lyme-Borreliose lässt sich in vier Stadien unterteilen. Sie lassen sich nach Schweregrad voneinander unterscheiden, aber nicht eindeutig abgrenzen. Sowohl das Auftreten als auch die Ausprägung der Symptome können von Patient zu Patient stark variieren. Nicht alle Borreliose-Patienten leiden unter allen bekannten Symptomen, manche Borreliose-Erkrankungen verlaufen sogar symptomfrei.

Infizierung

Der Erreger der Borreliose ist ein Bakterium der Gattung Borrelia, das zur Gruppe der Spirochäten gehört. Unter Spirochäten werden spiralförmige, sich aktiv bewegende Bakterien verstanden.

Sie besitzen effektive Tarnmethoden, um sich vor dem Immunsystem des Körpers zu schützen. Dadurch kann es passieren, dass folgenschwere Krankheitssymptome entstehen, ohne als solche erkannt zu werden.

Der Hauptüberträger der Borrelien ist die Zecke, aber auch andere blutsaugende Insekten (Mücken, Bremsen, Läuse und Flöhe) können die Krankheit übertragen. Schätzungen zufolge sind 5–35 % der Zecken mit Borrelien befallen.

Zecken tragen die Erreger in ihrem Verdauungstrakt. Die Erreger vermehren sich in deren Darmbereich und wandern von dort in die Speicheldrüsen. Bei einem Zeckenstich ergießen sie sich in den Blutkreislauf des Wirts (Mensch oder Tier) und können so in die Gelenke sowie in verschiedene Organe gelangen, unter anderem in Haut, Herz, Gehirn und Harnblase. Aufgrund ihrer hohen Beweglichkeit können sich die Borrelien gut innerhalb des Körpers bewegen. Dabei setzen sie nervenschädigende Stoffe frei.

Stadium I (3 – 30 Tage nach Zeckenstich)

Kommt es beim Menschen zur Infizierung mit Borrelien, zeigen sich oft Hautveränderungen an der Einstichstelle mit anschließender Rötung und Entzündung des umliegenden Hautareals (Wanderröte = Erythema migrans), die sich ausdehnen können. Dies ist ein deutliches Zeichen für eine Borreliose- Erkrankung, tritt aber nur in maximal 50 % der Borreliose-Fälle auf.

Häufig treten auch grippeähnliche Symptome, wie Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Muskelund Gelenkschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Übelkeit, Abgeschlagenheit sowie Müdigkeit auf. Da es sich hierbei um unspezifische Symptome handelt, fällt die Diagnose bei Abwesenheit der Wanderröte oft falsch aus. Auch sind die Laborwerte bei einer Borreliose-Infektion nicht eindeutig. Falsche Diagnosen führen zu falschen Behandlungen mit Medikamenten, die das Immunsystem weiter schwächen und somit den Gesundheitszustand des Betroffenen noch weiter verschlechtern.

Stadium II (einige Tage bis Wochen nach Zeckenstich)

Die Borreliose-Erreger breiten sich im gesamten Wirtskörper aus. Es kann zu chronischen Hautentzündungen an verschiedenen Körperstellen, vor allem im Bereich der Extremitäten, kommen. Darüber hinaus können unter anderem folgende Symptome auftreten:

  • Stimmungsschwankungen, Angstgefühle, Depressionen und Schlafstörungen
  • Bewusstseinsstörungen, heftige Kopfschmerzen
  • Schmerzen und Anschwellen der Gelenke
  • Gesichtslähmung mit Verlust des Muskeltonus einer oder beider Gesichtshälften
  • Herzrasen mit Schwindelgefühl aufgrund von Veränderungen der Herzfrequenz

Stadium III (einige Monate bis Jahre nach Zeckenstich)

Im dritten Stadium, das einige Monate bis Jahre nach dem Zeckenstich stattfinden kann, siedeln sich die Borrelien in bestimmte Organe ab. Bei 5 % der Patienten mit unbehandelter Borreliose kommt es zu neurologischen Störungen, die sich in Form von stechenden Schmerzen, Schwächegefühl oder Juckreiz an Händen und/oder Füßen, gestörtem Kurzzeitgedächtnis, Beeinträchtigung der Muskulatur und schwerer Erschöpfung bemerkbar machen.

Auch können Herzprobleme sowie Entzündungen der Augen und Leber auftreten. Außerdem können die Gelenkschmerzen und -schwellungen zunehmen, sodass von einer Lyme-Arthritis die Rede ist. Unter der Lyme-Arthritis leiden rund 60 % der Patienten mit unbehandelter Borreliose.

Stadium IV (chronische Verlaufsform)

Das vierte Stadium stellt die chronische Verlaufsform der Borreliose dar, die unter anderem Muskel- und Gelenkschmerzen, Bewusstseinsstörungen, neurologische Auffälligkeiten, Schlafstörungen und Erschöpfung sowie Herzbeschwerden umfasst.

Bei 10–20 % der Patienten halten die Symptome jahrelang an, und es kann zu schweren Gewebeschäden bis hin zum Organausfall kommen. Darüber hinaus kann sich ein Mikronährstoff- Mangel herausbilden, und Stoffwechselprozesse können sich verändern. Hier wird von dem sogenannten Borreliose-Syndrom gesprochen.