Verschiedene Formen von Borrelien

Borrelien sind fähig, ihre Form in unserem Körper zu verändern. Auf diese Weise können sie sich vor den Zellen unseres Immunsystems verstecken und sind auch gegenüber Antibiotika resistent.

Antibiotika-Behandlung kritisch betrachtet: Es gibt viele Patienten, die nach der Behandlung krank bleiben und an zahlreichen Symptomen leiden. Grund: Antibiotika sind gegenüber den Borrelien-Formen, die sich in fortgeschrittenen Stadien entwickeln, nicht oder nur wenig wirksam.

Spirochäten (aktive Form)

Unmittelbar nach der Infektion liegen die Borrelien in ihrer ursprünglichen, spiralförmigen Form als Spirochäten vor. In dieser aktiven Form sind die Borrelien in der Lage, sich schnell fortzubewegen, auch in dickflüssigen Substanzen (Blut) zu überleben, in Gewebe oder Zellen einzudringen und somit intrazelluläre Infektionen auszulösen.

Rundform (latente Form)

Spirochäten können sich schnell zu einer Rundform zusammenziehen. Hierbei handelt es sich um eine latente, also eine „schlummernde“ Form der Borrelien, die sich häufig als Schutzform entwickelt, wenn sich die Umgebungsbedingungen ändern und sich die Bakterien bedroht fühlen. Dies kann z. B. bei einer Antibiotika-Behandlung der Fall sein. Die Rundform ist für das Immunsystem „unsichtbar“ und entwickelt eine hohe Antibiotika-Resistenz, welche die Ursache für einen Krankheitsrückfall sein kann.

Besonders dramatisch ist dies, da die herkömmliche Therapiemethode mittels Antibiotika aufgrund der hohen Antibiotika-Resistenz in diesem Stadium nur begrenzt wirksam ist. Die Rückwandlung in die aktive Spirochäten- Form ist möglich, sobald sich die äußeren Bedingungen für die Vermehrung und das Wachstum der Bakterien gebessert haben.

Biofilm (latente, komplexe Form)

Eine weitere Form ist der sogenannte Biofilm, bei dem es sich um einen komplexen Zusammenschluss aus allen Borrelien-Formen handelt. Der Biofilm stellt eine Art Nest dar, das auf natürlichen Oberflächen haftet und eine schleimige, leimähnliche Substanz aus komplexen Kohlenhydraten und vielen anderen Molekülen (z. B. Giftstoffen) ausscheidet.

Diese Form dient als sehr wirkungsvoller Schutzmechanismus gegen Immunzellen und andere Komponenten, z. B. Antibiotika zur Abtötung der Bakterien. Der Biofilm bettet sich häufig in Muskel- und Gelenkstrukturen ein, kann aber auch jedes andere Organ befallen. Auf diese Weise können Borrelien Jahre bis Jahrzehnte im menschlichen bzw. tierischen Körper verweilen und zahlreiche Schäden anrichten.

Die unterschiedlichen Formenvarianten, die die Borreliose-Bakterien annehmen können, spiegeln die unterschiedlichen Krankheitsstadien und ihre Hartnäckigkeit wider.

Eingeschränktes Wirkpotential zeigt Grenzen der Pharma-Medizin auf

Ist von einer bakteriellen Infektion die Rede, richtet sich der Blick der allermeisten Menschen in Richtung medikamentöser Therapien – allen voran Antibiotika. So auch die herkömmliche Behandlung der Borreliose, die über die orale oder intravenöse Gabe von Antibiotika erfolgt. Hier werden üblicherweise die Präparate Doxycyclin, Amoxicillin oder Cefuroxim-Axetil in der Frühphase der Krankheit über 14–28 Tage verordnet.

Frühzeitig erkannt und mit den entsprechenden Medikamenten behandelt, kann eine gewisse Erfolgsquote erwartet werden. Aber auch bei einer Antibiotika-Behandlung in der Frühphase der Erkrankung sind die Erfolge beschränkt. So treten bei 10–20 % der Patienten nach abgeschlossener Antibiotika- Therapie erneut Symptome einer Lyme-Borreliose auf, die mehrere Monate oder Jahre andauern können. Obwohl eine längerfristige Einnahme von Antibiotika nicht empfehlenswert ist, werden diese häufig weiterhin als Mittel erster Wahl verschrieben.

Einen Nachweis über eine nachhaltige Wirksamkeit in den fortgeschrittenen Krankheitsstadien gibt es nicht. Obendrein sind die Belastungen einer andauernden Antibiotika-Therapie für den menschlichen Organismus groß. Bereits nach kurzzeitiger Antibiotika- Therapie braucht es Monate, bis die körpereigene Besiedlung mit Bakterien (wie sie etwa im Darm von Nöten ist) wieder aufgebaut ist.